Schredderanlage mit Rapsölmotor
Rottweil und Tuttlingen
Aus eigener Kraft  
Ziel

In den Kreisen Rottweil und Tuttlingen sind auf Kompostplätzen mobile Zerkleinerungsanlagen (Schredder) mit Dieselmotoren im Einsatz. Sie bereiten kommunales Grünschnittgut auf, das dann auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wird. Die Schredderanlagen arbeiten nicht nur in umweltsensiblen Bereichen, die Motoren werden auch im oberen Lastbereich betrieben und haben nur geringe Leerlaufzeiten. Damit bestehen von der Art des Einsatzes her für die Verwendung von Pflanzenöl als Kraftstoff günstige Voraussetzungen. Deshalb sollten in diesem Projekt Erkenntnisse über die technische Machbarkeit beim Einsatz eines pflanzenölbetriebenen Schredders gewonnen und Erfahrungen in der Praxis gesammelt werden.


Projekt


Der Umbau des Dieselmotors eines vorhandenen Schredders war aus technischen Gründen unzweckmäßig: zum einen treten beim Pflanzenölbetrieb höhere Temperaturen auf, zum anderen ist dabei eine geringe Menge Diesel-treibstoff in einem speziellen Tank für die Start- bzw. Abstellphase notwendig, sowie eine spezielle Schaltanlage, die auf den Pflanzenölbetrieb umstellt.
Diese Anforderungen hätten nur durch eine umfangreiche Umrüstung erfüllt werden können. Daher wurde eine neue Zerkleinerungsanlage mit einem speziell entwickelten Pflanzenölmotor beschafft. Die alte Anlage dient als Einsatzreserve in Ausfallzeiten. Da die Schredder in einem Umkreis von ca. 20 km eingesetzt werden und das vorhandene Tankstellennetz für Pflanzenöl nicht nutzbar ist, wurden für die ausreichende Verfügbarkeit des Kraftstoffs eine stationäre und eine mobile Rapsöltankanlage eingerichtet.

Erfahrungen


Die Erfahrungen von 1996 bis heute sind insgesamt positiv. Der 6-Zylinder-Reihenmotor mit einer Leistung von 265 kW wurde von der Firma Alternative Antriebstechnik Nordhausen unter Nutzung eines Seriendieselmotors zum Pflanzenölmotor umgebaut. Die neue Schredderanlage war zwischen März 1996 und August 1999 im Kreis Rottweil insgesamt 2324 Stunden im Einsatz.



Vorläufiger Qualitätsstandard für Rapsöl als Kraftstoff (RK-Qualitätsstandard) Stand 3/99

Eigenschaften/Inhaltsstoffe

Einheiten

Grenzwerte

Prüfverfahren

Dichte (15°C)

g/ml

0,90

0,93

DIN EN ISO 3675
EN ISO 12 185

Flammpunkt (mit geschlossenem Tiegel nach Pensky-Martens)

°C

220

 

DIN EN ISO 22 719

Heizwert

Ki/kg

35.000

 

DIN 51 900 T3

Kinematische Viskosität (40°C)

mm2/s

 

38

DIN EN ISO 3104

Kälteverhalten

°C

noch
festzulegen

noch
festzulegen

Zündwilligkeit(Cetanzahl)

-

381)

 

In Anlehnung an
ISO/DIS 5165

Iodzahl

g/100g

 

120

DIN 53 241-1

Schwefelgehalt

Masse-%

 

0,001

ASTM D 5453

Gesamtverschmutzung

mg/kg

 

25

DIN 51 419

Koksrückstand

Masse-%

 

0,4

DIN EN ISO 10 370

Neutralisationszahl *)

mg KOH/g

 

2,0

ISO 660

Oxidationsstabilität

min

noch
festzulegen

ISO 6886

Phosphorgehalt

mg/kg

 

152)

ASTM D 3231-94

Sulfatasche

Masse-%

 

0,013)

DIN 51 575

Wassergehalt

mg/kg

 

1.000

DIN EN ISO 12 937

*) Vorgaben der Motorenhersteller können vom angegebenen Grenzwert abweichen
1) vorläufig, bis angepasstes Prüfverfahren verfügbar
2) vorläufig
3) vorläufig, bis Grenzwert nach DIN 51 575 geprüft


Die durchschnittliche Motorauslastung lag über 50 %, der Kraftstoffverbrauch betrug 34,3 Liter kaltgepresstes Rapsöl je Betriebsstunde. Reparaturen und Motorenölverbrauch lagen im erwarteten Rahmen. Beim Sommerbetrieb waren keine Leistungseinschränkungen festzustellen, im Winter trat bei kaltem Rapsöl eine Leistungseinbuße von ca. 15 % auf. Bei Temperaturen unter -10 °C gab es gelegentlich Startprobleme. Die Kraftstoffkosten liegen mit 0,91 DM / Liter Rapsöl günstiger als bei Diesel mit 1,55 DM/Liter (Stand: März 2000). Das Rapsöl stammt aus einer kleinen Ölmühle, die ein Landhandelsunternehmen in der dortigen Region installierte. Die Rapsölqualität wies die von den Motorherstellern definierten Eigenschaften auf (Tabelle). Aus 100 kg Rapssaat werden ca. 35 Liter Rapsöl in Kraftstoffqualität gewonnen. Der anfallende Presskuchen wird verfüttert. Ein Liter Rapsöl ersetzt etwa 0,96 Liter Diesel. Vorläufiger Qualitätsstandard für Rapsöl als Kraftstoff (RK-Qualitätsstandard) Stand 3/99

Bedeutung für den ländlichen Raum und die Umwelt

Beim Betrieb des Schredders werden jährlich ca. 35.0000 Liter Dieselkraftstoff durch Rapsöl substituiert. Durch diesen Einsatz wird nicht nur der CO2-Ausstoß verringert, auch die Grundwassergefährdung durch evtl. auslaufenden Kraftstoff besteht nicht mehr. Der benötigte Raps wird regional auf einer Fläche von 35 ha erzeugt und lokal verarbeitet. Dabei ergeben sich zusätzliche positive Effekte durch Transportvermeidung und Arbeitsplatzsicherung.

Maschinenring und Betriebshilfsring Rottweil e.V.
Bauernwald 1
72172 Sulz-Holzhausen
Telefon 07454/3094
Telefax 07454/5257
E-Mail: info@mbr-rottweil.de

Das Projekt wurde 1996 durch das Ministerium Ländlicher Raum mit 62.000 DM gefördert

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